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Strategie

Preisgestaltung für Werkstätten: Wie du 30 % mehr Gewinn machst – ohne Kunden zu verlieren

„Was nehmen Sie die Stunde?“ – und du nennst den Satz des Nachbarn minus zehn Prozent.

Christoph BrinkeChristoph Brinke
Geschäftsführer, Smoke and Luck
8 Minuten Lesezeit
Taschenrechner und Klemmbrett auf der Werkbank im Lichtkegel

Kurz erklärt

Preisgestaltung entscheidet in der Kfz-Werkstatt über den Gewinn, nicht über die Auslastung. Die meisten Betriebe orientieren sich am Umkreis und unterbieten ihn um 10 bis 20 Prozent. Drei Wege stehen zur Wahl: kostenbasiert, wertbasiert, marktbasiert. Wer seine Preise alle 6 Monate um 5 bis 10 Prozent anhebt, erreicht nach 2 Jahren 30 Prozent mehr Gewinn.

Warum der Blick auf den Nachbarbetrieb dich Geld kostet

Der Anruf kommt um zehn: „Was nehmen Sie die Stunde?“ Du nennst eine Zahl, die du kennst, weil der Betrieb zwei Straßen weiter sie nimmt – minus zehn Prozent. Auflegen, weitermachen. In diesem Moment hast du nicht um Auslastung gekämpft. Du hast Gewinn verschenkt.

Die meisten Werkstätten unterbieten den Umkreis um 10 bis 20 Prozent. Der Vergleich sagt nichts über deine Kosten und nichts über deine Leistung. Zwei Betriebe mit demselben Stundensatz liefern völlig Verschiedenes. Der eine hat eine eigene Lackierkabine, geschultes Personal und Termine, die halten. Der andere gibt Arbeiten weiter und meldet sich selten.

  • Der Preis des Nachbarn kennt deine Kosten nicht: Miete, Bühnen, Absauganlage, Löhne
  • Er sagt nichts darüber, was bei dir im Preis enthalten ist
  • Und er ist selbst oft nur geraten – von jemandem, der auch verglichen hat

Dazu kommt: Die Frage nach dem Stundensatz ist selten die eigentliche Frage. Wer anruft, will wissen, ob er bei dir richtig ist und wann er sein Auto wiederbekommt. Der Satz ist nur das Einzige, was er vergleichen kann, solange du ihm nichts anderes gibst.

Was der Preis sagt, bevor der Kunde deine Arbeit gesehen hat

Ein Kunde holt drei Angebote für denselben Kotflügel ein. Zwei liegen nah beieinander, eines deutlich darunter. Bei welchem wird er fragen, ob wirklich alles enthalten ist? Der Preis ist die erste Aussage über deinen Betrieb, und der Kunde liest sie, bevor er deine Naht gesehen hat.

Menschen verbinden Preis mit Qualität. Das ist nicht rational, aber es passiert in jeder Branche. Wer deutlich unter allen anderen liegt, muss erklären, woran er spart – an Teilen, an Zeit, an Sorgfalt. Das ist selten die Botschaft, die du senden willst.

Wenn du erhöhst, gehen einzelne Kunden. Meistens sind es die, die jeden Posten diskutieren und am seltensten wiederkommen. Was bleibt, ist Zeit für Aufträge, die sich rechnen. Sorge also dafür, dass Preis, Auftritt und Leistung dieselbe Sprache sprechen.

Wo dein Geld leise verloren geht

Nicht jeder verschenkte Euro steckt im Stundensatz. Er steckt in den Handgriffen, die nebenbei passieren. Die Schraube aus dem eigenen Bestand. Die Probefahrt nach der Reparatur. Die halbe Stunde am Telefon zur Abstimmung. Das Entsorgen des alten Stoßfängers. Nichts davon steht auf dem Auftrag.

  • Kleinteile und Verbrauchsmaterial: als Pauschale ausweisen statt verschenken
  • Entsorgung von Altteilen, Lack- und Reinigungsmitteln
  • Probefahrt, Reinigung und Bereitstellung nach der Arbeit
  • Zeit für Abstimmung und Schriftverkehr rund um die Abwicklung

Setz dich einen Abend hin und geh zehn abgeschlossene Aufträge durch. Markiere alles, was gemacht, aber nicht berechnet wurde. Die Summe ist meistens größer als der Betrag, um den du im letzten Kundengespräch gefeilscht hast. Und sie kostet dich keinen einzigen Kunden, wenn du sie ab morgen ausweist.

Fallstrick: Kulanz ohne Notiz

Kulanz ist ein starkes Werkzeug, solange sie sichtbar ist. Schreib die Leistung auf die Rechnung und zieh sie darunter ab. Dann sieht der Kunde, was du ihm geschenkt hast. Sonst hält er es für selbstverständlich.

Kostenbasiert, wertbasiert, marktbasiert: was passt zu deinem Betrieb?

Es gibt drei Wege, einen Preis zu bilden. Jeder hat eine Stärke und ein Problem. In der Praxis brauchst du alle drei – aber an unterschiedlichen Stellen.

WegSo rechnest duStärkeProblem
KostenbasiertTeile 100 Euro, 2 Stunden à 50 Euro, plus 30 Prozent: 260 EuroDu kennst deine UntergrenzeDer Nutzen für den Kunden kommt nicht vor
WertbasiertDu benennst, was der Kunde spart oder gewinnt, und berechnest einen Teil davonDer Preis wird erklärbarSchwer zu beziffern, braucht ein Gespräch
MarktbasiertDu schaust auf das Niveau im Umkreis und setzt dich bewusst darüberSchnell umsetzbarDu bleibst von den Preisen anderer abhängig
Die Kosten sind die Untergrenze, der Markt der Rahmen, der Wert deine Position darin.

Der wertbasierte Weg ist der anspruchsvollste, weil du den Nutzen aussprechen musst. Ein Beispiel aus dem Alltag: Du erkennst beim Räderwechsel einen beginnenden Achsschaden. Der Kunde spart die Folgekosten und fährt sicher weiter. Genau dafür darfst du die Prüfzeit berechnen, statt sie zu verschenken.

Rechne deshalb zuerst deine Kosten durch, bevor du über den Preis entscheidest. Alle Kosten eines Jahres geteilt durch die produktiven Stunden: Das ist die Zahl, unter die du nicht gehst. Wer seine Stundenkosten nicht kennt, kalkuliert im Blindflug – und merkt es erst beim Jahresabschluss.

Wie erhöhst du Preise, ohne die guten Kunden zu verlieren?

Nicht 30 Prozent auf einmal. Sondern 5 bis 10 Prozent alle 6 Monate. Nach 2 Jahren bist du bei rund 30 Prozent mehr Gewinn, und niemand hat einen Sprung erlebt. Entscheidend ist, dass die Erhöhung angekündigt ist und dass gleichzeitig etwas dazukommt.

Fang mit einer Leistung an, die du oft machst und richtig gut kannst. Bei einem Lackierbetrieb ist das oft die Beilackierung, bei einer Werkstatt der Service. Dort merkst du innerhalb weniger Wochen, ob Kunden reagieren – und lernst die Antwort, bevor du den ganzen Stundensatz anfasst.

  • Grund nennen: neue Ausstattung, bezahlte Schulung, längere Garantie
  • Etwas dazugeben: Sichtprüfung, Hol- und Bringdienst, feste Rückmeldezeiten
  • Kundengruppen trennen: Standardleistung und begleitete Abwicklung
  • Den neuen Satz überall gleich nennen: Kostenvoranschlag, Telefon, Annahme

Fallstrick: die stille Erhöhung, die keiner angekündigt hat

Wer den Aufschlag ohne Ankündigung auf die Rechnung setzt, bekommt die Diskussion bei der Abholung – und verliert dort mehr als die Differenz. Nenne den neuen Satz vorher, im Kostenvoranschlag und am Telefon.

Wie sagst du den Preis am Telefon, ohne dich zu entschuldigen?

Die Frage nach dem Stundensatz kommt fast immer vor der Frage nach dem Schaden. Wer sofort eine Zahl nennt, verhandelt danach nur noch über diese Zahl. Dreh die Reihenfolge um: erst verstehen, dann einordnen, dann den Satz nennen.

  • Frag zurück: welches Fahrzeug, was ist passiert, seit wann
  • Sag, was bei dir im Preis steckt: Kalkulation, Ersatzteile, Lackierung im Haus, feste Termine
  • Nenne dann den Satz, ruhig und ohne Zusätze wie „leider“ oder „eigentlich“
  • Biete den nächsten Schritt an: kurz vorbeikommen, Fotos schicken, Termin zur Begutachtung

Und wenn jemand sagt, anderswo sei es günstiger? Dann stimmst du zu, ohne den anderen Betrieb zu bewerten: „Das kann sein. Bei uns ist die Lackierung im Haus, und Sie bekommen den Termin schriftlich.“ Danach schweigst du. Wer seinen Preis erklärt und dann still ist, verhandelt nicht gegen sich selbst.

Wer geht, wenn du teurer wirst?

Rechne es einmal durch. Wenn du 10 Prozent aufschlägst und 5 Prozent der Kunden gehen, steigt dein Gewinn trotzdem um 5 Prozent – bei weniger Arbeit. In der Praxis verlieren Betriebe eher 1 bis 2 Prozent, weil ein Werkstattwechsel Aufwand bedeutet und Vertrauen schwer zu ersetzen ist. Wer einmal erlebt hat, dass sein Auto am zugesagten Tag fertig war, wechselt nicht wegen eines Aufschlags.

Plane trotzdem mit einem ruhigen Monat nach der Umstellung. Manche Kunden rufen an und fragen nach. Dafür brauchst du keine Verteidigung, sondern zwei vorbereitete Sätze und die Ruhe, sie auszusprechen.

Schau dir außerdem an, wer geht. Wenn es die Anrufer sind, die drei Angebote vergleichen und dann selbst schrauben, ist das kein Verlust. Ohne Zahlen bleibt jede Preisdiskussion allerdings Bauchgefühl. Drei Werte reichen, und du kannst sie in der Auftragsliste führen:

  • Wie viele Anfragen kommen pro Monat herein
  • Wie viele davon werden zu Aufträgen
  • Wie hoch der durchschnittliche Rechnungsbetrag ist

Und sorge dafür, dass außen sichtbar ist, wofür der Preis steht. Ausstattung, Termintreue, Ansprechpartner – das gehört auf die Website und in die Annahme. Wie das zusammengeht, steht im Überblick zum Marketing für Kfz-Werkstätten. Den Rest macht der Tresen, siehe Kundenservice in der Werkstatt.

Was du diese Woche tun kannst

Vier Schritte. Der erste ist der wichtigste, und er braucht nur die Zahlen, die du schon hast.

  1. Stundenkosten ausrechnen

    Alle Kosten des letzten Jahres geteilt durch die produktiven Stunden. Diese Zahl ist deine Untergrenze. Schreib sie auf einen Zettel ins Büro.

  2. Drei Leistungen mit Nutzen formulieren

    Nimm drei häufige Arbeiten und schreib in einem Satz, was der Kunde davon hat. Diese Sätze nutzt du am Telefon.

  3. Neuen Satz und Datum festlegen

    Entscheide über 5 bis 10 Prozent und ab welchem Tag sie gelten. Trag den nächsten Prüftermin in sechs Monaten gleich mit ein.

  4. Die Ankündigung schreiben

    Drei Sätze für Kostenvoranschlag, Telefon und Annahme: was sich ändert, ab wann, was neu dazukommt. Einmal schreiben, alle nutzen.

  5. Zehn Aufträge auf verschenkte Arbeit prüfen

    Nimm zehn abgeschlossene Aufträge und markiere, was gemacht, aber nicht berechnet wurde. Diese Summe ist dein erster Gewinn, ganz ohne Erhöhung.

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Christoph Brinke, Geschäftsführer der Smoke and Luck GmbH

Über den Autor

Christoph Brinke

Gelernter Lackierer, Kfz-Sachverständiger, heute Geschäftsführer der Smoke and Luck GmbH in Elchingen bei Ulm. Er baut für Kfz-Betriebe Marketing, regionalen Vertrieb und Recruiting auf.

Antworten

Häufige Fragen zu Strategie

Wie erhöhe ich Preise, ohne Kunden zu verlieren?

In Schritten von 5 bis 10 Prozent alle 6 Monate statt 30 Prozent auf einmal. Nenne den Grund, zum Beispiel neue Ausstattung oder eine bezahlte Schulung, und gib gleichzeitig etwas dazu: Sichtprüfung, längere Garantie, feste Rückmeldezeiten. Wichtig ist die Ankündigung im Kostenvoranschlag und am Telefon, nicht die Überraschung auf der Rechnung.

Welche Preisstrategie passt zu einer Werkstatt?

Alle drei, an verschiedenen Stellen. Kostenbasiert ergibt deine Untergrenze: alle Jahreskosten geteilt durch die produktiven Stunden. Marktbasiert gibt den Rahmen im Umkreis. Wertbasiert bestimmt deine Position darin, indem du den Nutzen für den Kunden benennst. Wer seine Stundenkosten nicht kennt, kalkuliert im Blindflug.

Wie viele Kunden springen bei einer Preiserhöhung ab?

Rechnerisch lohnt sich eine Erhöhung um 10 Prozent selbst dann, wenn 5 Prozent der Kunden gehen – der Gewinn steigt um 5 Prozent, bei weniger Arbeit. In der Praxis verlieren Betriebe eher 1 bis 2 Prozent, weil ein Werkstattwechsel Aufwand bedeutet. Meist gehen die Kunden, die jeden Posten diskutieren.

Warum unterpreisen sich so viele Werkstätten?

Weil sie sich am Umkreis orientieren und ihn um 10 bis 20 Prozent unterbieten. Dieser Vergleich kennt weder die eigenen Kosten noch den Leistungsumfang – und ist beim Nachbarn oft selbst nur geraten. Dazu kommt die Psychologie: Kunden verbinden einen auffällig niedrigen Preis mit gesparter Sorgfalt.

Wie rechne ich meinen Stundensatz aus?

Nimm alle Kosten des letzten Jahres – Löhne, Miete, Energie, Ausstattung, Versicherungen, Verwaltung – und teile sie durch die produktiven Stunden, die du wirklich verkauft hast. Das Ergebnis ist die Untergrenze, nicht der Preis. Darüber legst du deinen Gewinn und deine Position im Umkreis fest.

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