Kurz erklärt
Für viele Karosseriebetriebe ist die Empfehlung einer Versicherungsagentur ein wichtiger Zugangsweg zu Unfallaufträgen. Wer dort verlässlich genannt werden will, braucht fünf Bausteine: die Agenturen der Region erfassen, sich persönlich vorstellen, Verlässlichkeit im Ablauf belegen, die Herkunft der Aufträge nachhalten und gegenseitigen Nutzen aufbauen. Die Werkstattwahl trifft immer der Fahrzeughalter selbst.
Wen fragt ein Kunde nach einem Unfall zuerst?
Montagmorgen, ein Kunde steht mit eingedrückter Beifahrertür in der Einfahrt seines Versicherungsvermittlers. Er hat ihn angerufen, weil dieser ihm die Police verkauft hat. Seine Frage lautet nicht „welche Werkstatt ist die beste“, sondern „was mache ich jetzt“.
Der Vermittler erklärt den Ablauf und nennt dabei oft einen Betrieb, den er kennt. Entschieden ist damit nichts. Der Kunde hat einen ersten Anhaltspunkt, und die Wahl bleibt bei ihm. Aber genannt wird eben nur, wen man kennt.
Wichtig dabei
Die Werkstattwahl liegt immer beim Fahrzeughalter, die freie Werkstattwahl ist sein Recht. Eine Agentur kann informieren und empfehlen. In diesem Artikel geht es darum, wie du zu der Empfehlung wirst, die man guten Gewissens ausspricht.
Die meisten Betriebe sprechen mit niemandem, der regelmäßig genau diese Frage gestellt bekommt. Sie warten darauf, dass Google sie findet. Der Weg über Agenturen ist günstiger und stabiler, er dauert nur länger.
Warum ist eine Empfehlung für die Agentur ein Risiko?
Eine Vermittlerin erzählte uns von einem Kunden, der nach einer Empfehlung drei Wochen auf sein Auto gewartet hat und dreimal selbst nachfragen musste. Sie hat danach niemanden mehr weiterempfohlen. Nicht aus Ärger über den Betrieb, sondern weil der Kunde bei ihr angerufen hat, nicht dort.
Das ist der Kern. Wer eine Werkstatt nennt, legt ein Stück seiner eigenen Beziehung in fremde Hände. Läuft es schlecht, ist der Kunde nicht nur mit der Werkstatt unzufrieden. Im schlechtesten Fall wechselt er den Vermittler.
Daraus folgt deine Aufgabe. Du musst nicht der günstigste Betrieb sein und nicht der nächste. Du musst der sein, bei dem nichts zurückkommt. Alles Weitere in diesem Artikel dient diesem einen Punkt.
Genau deshalb funktioniert kein Anruf, der mit dem eigenen Angebot beginnt. Die Agentur interessiert dein Stundensatz nicht. Sie interessiert, ob sie nach der Empfehlung noch einmal von dem Fall hört. Wenn nicht, hast du alles richtig gemacht.
Wer sitzt eigentlich in deinem Einzugsgebiet?
Wir haben einen Inhaber gefragt, wie viele Versicherungsagenturen es in seiner Stadt gibt. Er schätzte vier. Nach zwanzig Minuten mit der Karte auf dem Handy waren es vierzehn, davon neun innerhalb von zehn Kilometern. Zwei davon lagen in derselben Straße wie sein Betrieb.
- Welche Agenturen sitzen in deinem Einzugsgebiet, mit Adresse und Telefonnummer?
- Wie groß sind sie, arbeitet dort eine Person oder ein kleines Team?
- Welche Versicherer vertreten sie?
- Wer ist dein Ansprechpartner: Inhaber, Büroleitung oder Sachbearbeitung?
Schreib das in eine einfache Tabelle. Vierzehn Zeilen, fünf Spalten, das reicht. Ohne diese Liste bleibt alles Weitere Zufall, und Zufall lässt sich nicht wiederholen.
Wie stellst du dich vor, ohne zu verkaufen?
Ein Betrieb hat neun Agenturen angerufen und gesagt: „Wir sind neu hier, schicken Sie uns Ihre Kunden.“ Neun Mal höfliche Absage. Der zehnte Anruf lief anders: „Ich bin der Inhaber von zwei Straßen weiter und würde mich gern einmal vorstellen. Zehn Minuten, wann passt es?“ Das wurde ein Termin.
Anrufen wie ein Nachbar
Kein Angebot am Telefon. Nur: wer du bist, wo dein Betrieb liegt, und dass du dich kurz vorstellen möchtest. Zehn Minuten, zu einer Zeit, die der Agentur passt. Vormittags zwischen neun und halb elf erreichst du dort am ehesten jemanden.
Hingehen statt schicken
Fahr persönlich hin. Nimm keine Mappe mit, sondern zwei Bilder von Arbeiten, die zeigen, was du kannst. Setz dich hin und hör zu. Das unterscheidet dich sofort von allen, die nur eine Mail schreiben.
Nach den Problemen fragen
Frag nicht, was du brauchst. Frag, was bei Werkstätten regelmäßig schiefgeht: Wo hakt die Kommunikation, wo entstehen Wartezeiten, wo kommen Rückfragen bei der Agentur an statt beim Betrieb? Dann sag, wie du genau das löst.
Am Ende des Gesprächs vereinbarst du eine Kleinigkeit, nicht den großen Abschluss. Zum Beispiel: Beim nächsten Fall rufst du die Agentur nach der Annahme einmal an. Kleine Zusagen kann man einhalten, und eingehaltene Zusagen sind der Anfang.
Rechne mit mehreren Anläufen. Beim ersten Anruf steckt die Agentur mitten im Tagesgeschäft, beim zweiten erinnert sie sich an den Namen. Drei kurze Kontakte über sechs Wochen wirken stärker als ein langer Besuch, der danach nie wieder aufgegriffen wird.
Woran merkt eine Agentur, dass du verlässlich bist?
Der erste Fall aus einer Agentur ist eine Prüfung. Ein Betrieb hat ihn so bearbeitet: Wagen am Dienstag angenommen, am selben Tag drei Zeilen per Mail an die Agentur, Fertigstellung Freitag zugesagt, Donnerstag fertig, Kunde angerufen. Der zweite Fall kam zwei Wochen später von allein.
| Was die Agentur braucht | Was du dafür tun kannst |
|---|---|
| Keine Rückfragen vom Kunden | Am Tag der Annahme drei Zeilen an die Agentur: Wagen da, Ablauf, Fertigstellung |
| Termine, die halten | Nur zusagen, was ohne Überstunden hält. Bei Verzug selbst anrufen, bevor der Kunde es tut |
| Einen Ansprechpartner | Ein Name und eine Durchwahl für alle Fälle aus Agenturen, nicht die Zentrale |
| Kein Ärger hinterher | Zwei Wochen nach der Abholung einmal beim Kunden nachfragen und das Ergebnis notieren |
Qualität in der Halle ist die Voraussetzung, nicht das Argument. Eine einzige Reklamation kostet mehr Vertrauen, als zehn gute Aufträge aufbauen. Das gilt hier stärker als bei Privatkunden, weil eine Agentur ihren Namen mitgibt.
Wie hältst du nach, woher deine Aufträge kommen?
Ein Betrieb war überzeugt, dass die Aufträge über Google kommen. Nach drei Monaten mit einer zusätzlichen Spalte im Auftragsbuch sah es anders aus: Ein großer Teil der Unfallaufträge kam aus zwei Agenturen, und die dritte, die er am häufigsten besuchte, hatte nichts geschickt.
- Frag jeden Kunden bei der Annahme: Wie sind Sie zu uns gekommen?
- Notiere die Antwort konkret, also den Namen der Agentur, nicht nur „Empfehlung“
- Halte den Umsatz je Quelle nach, einmal im Monat genügt
- Notiere, ob es Reklamationen gab, damit du siehst, wo es hakt
Das kostet nichts außer Disziplin und beantwortet nach wenigen Monaten die wichtigste Frage: Welche Beziehung bringt dir tatsächlich Aufträge? Danach weißt du, wo sich der nächste Besuch lohnt und wo nicht.
Der fünfte Baustein ist gegenseitiger Nutzen. Wenn ein Kunde bei dir nach seiner Versicherung fragt, nennst du die Agentur, mit der du arbeitest. Das ist keine Provision, das ist eine Beziehung, und sie hält länger als jede Vereinbarung auf Papier.
Wie sich das in einem Betrieb in Bayern entwickelt hat
Eine Werkstatt in Bayern hatte ein Auslastungsproblem. 30 Prozent der Aufträge kamen über Versicherungsagenturen, 70 Prozent von Privatkunden. Die privaten Aufträge schwankten stark, und die Halle war entweder überfüllt oder halb leer.
Wir haben zwölf lokale Agenturen erfasst. Der Werkstattleiter ist zu jeder persönlich gefahren, hat sich vorgestellt und zugehört. Er hat zügige Bearbeitung und klare Rückmeldungen zugesagt und ein einfaches Tracking im Auftragsbuch eingeführt.
30 %
Ausgangslage
Anteil der Aufträge über Agenturen
65 %
nach 6 Monaten
nach zwölf persönlichen Besuchen
80 %
nach 12 Monaten
deutlich stabilere Auslastung
Der gestiegene Anteil war dabei nicht das Wichtigste. Wichtiger war, dass die Auslastung planbar wurde. Wie dieser Bereich bei uns mit Sichtbarkeit und Recruiting zusammenläuft, steht in unserem Angebot.
Was machst du diese Woche?
Du brauchst keinen Vertriebsplan. Du brauchst eine Liste, zwei Telefonate und eine zusätzliche Spalte im Auftragsbuch. Alles davon passt in eine normale Woche.
Die Liste bauen
Öffne die Karte auf dem Handy und such Versicherungsagenturen in zehn Kilometern Umkreis. Trag alles in eine Tabelle ein: Name, Adresse, Telefon, Ansprechpartner, Entfernung. Zwanzig Minuten reichen dafür.
Drei Namen aussuchen
Markiere die drei, die am nächsten liegen oder zu denen du schon einen Kontakt hast. Mit diesen dreien fängst du an, nicht mit allen vierzehn. Notier hinter jeden Namen einen Termin in den nächsten vier Wochen.
Zwei Telefonate führen
Ruf vormittags zwischen neun und halb elf an. Kein Angebot, nur die Bitte um zehn Minuten zum Vorstellen. Wenn du eine Absage bekommst, frag, wann es besser passt. Zwei Anrufe pro Woche genügen.
Eine Spalte einführen
Ergänze im Auftragsbuch die Spalte „Wie gekommen“ und erklär sie in der Frühbesprechung. Ab morgen wird sie bei jeder Annahme ausgefüllt, mit Namen statt mit dem Wort Empfehlung.
Eine Zusage einhalten
Beim nächsten Fall aus einer Agentur: am Tag der Annahme drei Zeilen hinschicken. Wagen da, Ablauf, Fertigstellungstermin. Das ist der kleinste mögliche Beweis, und er wirkt sofort.
Die meisten Betriebe stecken ihr Geld ausschließlich in Anzeigen und Website. Beziehungen sind langsamer im Aufbau, aber stabiler in der Auslastung. Beides zusammen ist am stärksten, und eines von beiden kostet dich nur Zeit. Agenturen sind eine von mehreren Quellen fester Aufträge. Die anderen: die Kooperation mit Autohäusern und Firmen mit Fuhrpark als Flottenkunden.
Regionaler Vertrieb als Feld
Wie wir mit dir feste Auftraggeber gewinnen: Versicherungsagenturen, Autohäuser und Fuhrparks in deiner Region.
Zum regionalen VertriebMarketing für Kfz-Werkstätten
Der Überblick über Sichtbarkeit und Auftragsgewinnung für inhabergeführte Kfz-Betriebe.
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Über den Autor
Christoph Brinke
Gelernter Lackierer, Kfz-Sachverständiger, heute Geschäftsführer der Smoke and Luck GmbH in Elchingen bei Ulm. Er baut für Kfz-Betriebe Marketing, regionalen Vertrieb und Recruiting auf.





