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Marketing

Kundenkartei statt Zettelkasten: So baust du deinen Kundenstamm mit System auf

Ein Kundenstamm ist mehr als viele Namen in der Werkstattsoftware. Er ist eine Liste, mit der du arbeiten kannst.

Christoph BrinkeChristoph Brinke
Geschäftsführer, Smoke and Luck
8 Minuten Lesezeit
Aufgeklappter Laptop auf einer Werkbank in der dunklen Werkstatt

Kurz erklärt

Einen Kundenstamm baust du auf, indem du aus jedem Auftrag einen Eintrag machst, mit dem du später arbeiten kannst: Kontakt, Fahrzeug, nächster Anlass, Herkunft und die Erlaubnis zur Ansprache. Diese Kundenkartei teilst du in wenige Gruppen und sprichst jede zu festen Anlässen an, etwa vor der Hauptuntersuchung oder dem Reifenwechsel. So wird aus einzelnen Aufträgen ein Stamm, der wiederkommt.

Kundenstamm und Kundenkartei: der Unterschied

Fast jeder Kfz-Betrieb hat Tausende Namen in der Werkstattsoftware. Trotzdem können viele Inhaber eine einfache Frage nicht beantworten: Wie viele Kunden waren in den letzten zwölf Monaten wirklich da? Die Namen sind gespeichert, aber niemand arbeitet mit ihnen. Das ist der Unterschied zwischen einer Datenbank und einer Kundenkartei.

Der Kundenstamm sind die Menschen und Firmen, die wiederkommen. Die Kundenkartei ist das Werkzeug, mit dem du dafür sorgst. Wie aus einem ersten Auftrag eine Beziehung wird, beschreibt der Ratgeber Stammkunden gewinnen. Hier geht es um die Seite dahinter: welche Angaben du brauchst, wie du sie sortierst und wann du wen ansprichst.

  • Wie viele Kunden hatten in den letzten zwölf Monaten mindestens einen Auftrag?
  • Wie viele Kunden waren länger als 18 Monate nicht mehr da?
  • Bei wie vielen Fahrzeugen weißt du, in welchem Monat die Hauptuntersuchung fällig ist?
  • Wie viele Neukunden des letzten Quartals kamen über eine Empfehlung?

Kannst du zwei dieser vier Fragen nicht ohne langes Suchen beantworten, fehlt dir keine neue Software. Es fehlt eine Kartei, die auf diese Fragen ausgerichtet ist.

Welche Felder in die Kundenkartei gehören

Eine gute Kundenkartei ist nicht die mit den meisten Feldern. Sie ist die, in der jedes Feld einen Zweck hat. Diese zehn Angaben reichen für einen Kfz-Betrieb, egal ob Werkstatt, Karosserie und Lack oder Autohaus mit Service.

FeldWofür du es brauchst
Name und AnredePersönliche Ansprache in Brief und Nachricht
Telefon, E-Mail, PostanschriftDie drei Wege, auf denen du den Kunden erreichst
Erlaubte KontaktwegeWelcher Weg für Werbung freigegeben ist, mit Datum der Einwilligung
Fahrzeug und KennzeichenModell, Baujahr und Motor für passende Angebote
Monat der HauptuntersuchungDer wichtigste wiederkehrende Anlass im Jahr
Reifen eingelagertJa oder nein, damit der Wechseltermin rechtzeitig angeboten wird
Letzter AuftragDatum und Art, daraus ergibt sich die Gruppe
HerkunftWie der Kunde zum ersten Mal auf dich gekommen ist
Privat oder FirmaFirmen mit mehreren Fahrzeugen brauchen eine eigene Ansprache
NotizWas beim nächsten Kontakt wichtig ist, in einem Satz
Zehn Felder für die Kundenkartei eines Kfz-Betriebs

Nur erfassen, was du nutzt

Die Datenschutz-Grundverordnung verlangt, nur Daten zu speichern, die du für einen klaren Zweck brauchst. Hobbys, Geburtstage von Angehörigen oder Vermutungen über Kunden gehören nicht in die Kartei. Das ist eine allgemeine Einordnung und keine Rechtsberatung.

Woher die Daten kommen, ohne Doppelarbeit

Die meisten Angaben liegen schon im Haus: in der Werkstattsoftware, im Dealer-Management-System des Autohauses oder in alten Rechnungen. Du musst sie nicht neu eintippen. Du musst sie einmal zusammenführen und die Lücken schließen.

  1. Bestand exportieren

    Fast jede Werkstattsoftware kann Kunden, Fahrzeuge und letzte Aufträge als Liste ausgeben. Das ist der Grundstock.

  2. Lücken markieren

    Meist fehlen drei Felder: Herkunft, erlaubte Kontaktwege und der Monat der Hauptuntersuchung. Diese Spalten legst du neu an.

  3. An der Annahme ergänzen

    Bei jedem Auftrag fragt die Annahme nach, was fehlt. Drei Fragen, eine Minute, über Monate eine vollständige Kartei.

  4. Herkunft bei jedem Neukunden

    „Wie sind Sie auf uns gekommen?“ wird zur Pflichtfrage. Ohne diese Angabe weißt du nicht, welches Marketing wirkt.

Wie viel die Herkunftsfrage bringt, zeigt die Fallstudie Palumbo: Seit dem Start des Agenturvertriebs erfasst der Betrieb bei jedem Auftrag, woher er kommt. So lässt sich nachvollziehen, welche Versicherungsagentur Aufträge bringt, statt es zu schätzen.

Erlaubnis zur Ansprache: was du wissen solltest

Eine Kundenkartei ist nur so viel wert wie die Wege, auf denen du sie nutzen darfst. Für Werbung an Bestandskunden gelten je nach Kanal unterschiedliche Regeln. Die folgende Übersicht ist eine allgemeine Einordnung ohne Gewähr; für deinen Einzelfall klärt das ein Anwalt oder dein Verband.

KanalWas in der Regel gilt
Brief per PostWerbung an Bestandskunden ist meist ohne Einwilligung möglich, solange der Kunde nicht widersprochen hat
E-MailOhne Einwilligung nur unter engen Bedingungen nach § 7 Abs. 3 UWG: Adresse aus einem Auftrag, Werbung für eigene ähnliche Leistungen, kein Widerspruch, Hinweis auf das Widerspruchsrecht bei der Erhebung und in jeder Mail
TelefonWerbeanrufe bei Privatkunden nur mit ausdrücklicher vorheriger Einwilligung
WhatsApp und SMSFür Werbung ist eine Einwilligung nötig
Kanäle für die Ansprache von Bestandskunden, allgemeine Einordnung ohne Gewähr

Praktisch heißt das: Frag an der Annahme, ob der Kunde Erinnerungen an Hauptuntersuchung und Reifenwechsel per Mail oder WhatsApp haben möchte. Halte die Antwort mit Datum und Weg in der Kartei fest. Ein Kunde, der ja gesagt hat, wartet auf deine Erinnerung, statt sich über sie zu ärgern.

Vier Gruppen statt einer langen Liste

Wer alle Kunden gleich anspricht, spricht niemanden richtig an. Teile die Kartei deshalb in vier Gruppen. Die Grenzen unten sind ein Vorschlag, den du an deinen Betrieb anpasst.

GruppeMerkmalWas du tust
StammkundenZwei oder mehr Aufträge in 24 MonatenPflegen: Termine anbieten, bevorzugt einplanen, um Empfehlung bitten
Neue KundenErster Auftrag in den letzten zwölf MonatenDen zweiten Besuch auslösen, zum Beispiel über den nächsten fälligen Anlass
SchläferLetzter Auftrag vor mehr als 18 MonatenEinmal gezielt zurückholen, etwa mit einem Brief vor der Hauptuntersuchung
FirmenFahrzeuge auf eine Firma zugelassenPersönlich ansprechen, Ansprechpartner für den Fuhrpark finden
Vier Kundengruppen, Grenzen als Vorschlag

Die Gruppe der Schläfer ist oft die größte und am meisten übersehene. Diese Kunden kennen dich schon, haben dir einmal vertraut und sind nur irgendwann nicht mehr gekommen. Ein Teil ist umgezogen oder hat das Auto verkauft. Ein anderer Teil hat einfach niemanden gehabt, der sich gemeldet hat. Für Firmenkunden mit mehreren Fahrzeugen lohnt ein eigener Ablauf, den der Ratgeber Flottenkunden gewinnen beschreibt.

Das Anlass-Jahr: wann du wen ansprichst

Eine Kartei arbeitet erst, wenn sie feste Termine bekommt. Kfz-Betriebe haben einen Vorteil: Das Jahr bringt seine Anlässe von selbst mit. Du musst nichts erfinden, nur rechtzeitig daran erinnern.

ZeitpunktAnlassAn wen
März und AprilSommerreifen, KlimaserviceAlle mit eingelagerten Reifen, Stammkunden
Mai und JuniCheck vor dem UrlaubStammkunden und Neue
September und OktoberWinterreifen, Licht, BatterieAlle mit eingelagerten Reifen, Schläfer
Monat vor der HauptuntersuchungHU-Termin anbietenJedes Fahrzeug mit bekanntem HU-Monat
Vier Wochen nach einer ReparaturNachfrage und Bitte um BewertungJeder Kunde nach größerem Auftrag
Einmal im JahrBrief mit Neuigkeiten aus dem BetriebSchläfer und Firmen
Wiederkehrende Anlässe für die Ansprache aus der Kundenkartei

Für den Brief an Bestandskunden gibt es im Beitrag Werbung für die Kfz-Werkstatt eine eigene Idee mit Ablauf. Wer die Mail-Seite ausbauen will, findet im Ratgeber E-Mail-Marketing für Karosserie- und Lackierbetriebe Anlässe und Aufbau.

  • Aktive Kunden der letzten zwölf Monate: wächst die Zahl von Quartal zu Quartal?
  • Anteil der Kunden mit zwei oder mehr Aufträgen: das ist dein eigentlicher Kundenstamm.
  • Herkunft der Neukunden: welche Quelle bringt Menschen, die wiederkommen?

Diese drei Zahlen schaust du dir einmal im Quartal an. Mehr braucht es nicht, um zu sehen, ob dein Kundenstamm wächst. Wie wir Kartei, Anlässe und Werbung für Kfz-Betriebe zusammen aufbauen, steht auf der Seite Marketing für Kfz-Werkstätten.

Wie viele Schläfer liegen in deiner Kartei?

Wir schauen gemeinsam auf deinen Bestand und den ersten Anlass, der sich lohnt.

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Christoph Brinke, Geschäftsführer der Smoke and Luck GmbH

Über den Autor

Christoph Brinke

Gelernter Lackierer, Kfz-Sachverständiger, heute Geschäftsführer der Smoke and Luck GmbH in Elchingen bei Ulm. Er baut für Kfz-Betriebe Marketing, regionalen Vertrieb und Recruiting auf.

Antworten

Häufige Fragen zu Marketing

Wie baue ich als Werkstatt einen Kundenstamm auf?

Indem du aus jedem Auftrag einen vollständigen Eintrag in der Kundenkartei machst und Kunden zu festen Anlässen wieder ansprichst: Reifenwechsel, Hauptuntersuchung, Check vor dem Urlaub. Wer die Kunden in Gruppen teilt und Schläfer gezielt zurückholt, baut aus einzelnen Aufträgen einen Stamm auf, der wiederkommt.

Was gehört in eine Kundenkartei für Kfz-Betriebe?

Name, Kontaktdaten, erlaubte Kontaktwege mit Datum, Fahrzeug und Kennzeichen, Monat der Hauptuntersuchung, eingelagerte Reifen, letzter Auftrag, Herkunft, privat oder Firma und eine kurze Notiz. Mehr braucht es nicht, und nach Datenschutzrecht sollte auch nicht mehr gespeichert werden, als du nutzt.

Brauche ich für die Kundenkartei eine eigene Software?

Für den Anfang meist nicht. Die Werkstattsoftware enthält die meisten Angaben schon, fehlende Spalten wie Herkunft oder Einwilligung lassen sich oft ergänzen oder in einer geteilten Tabelle führen. Ein eigenes CRM lohnt sich erst, wenn regelmäßig mit der Kartei gearbeitet wird.

Darf ich Bestandskunden per E-Mail anschreiben?

Ohne Einwilligung nur unter engen Bedingungen nach § 7 Abs. 3 UWG: Die Adresse stammt aus einem Auftrag, die Werbung betrifft eigene ähnliche Leistungen, der Kunde hat nicht widersprochen und wird bei der Erhebung und in jeder Mail auf sein Widerspruchsrecht hingewiesen. Sicherer ist die Einwilligung an der Annahme. Allgemeine Einordnung ohne Gewähr.

Wie hole ich Kunden zurück, die lange nicht da waren?

Mit einem konkreten Anlass statt einer allgemeinen Werbung. Ein Brief im Monat vor der Hauptuntersuchung oder vor dem Reifenwechsel erinnert an etwas, das ohnehin ansteht. Wer danach nicht reagiert, bekommt einmal im Jahr Neuigkeiten aus dem Betrieb und sonst Ruhe.

Dein nächster Schritt

Wir setzen das für deinen Betrieb um

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