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Marketing

E-Mail-Marketing im Autohaus: Warum ein Anlass mehr bringt als jeder Newsletter

Die Adressen liegen im System, die Anlässe auch. Warum eine Mail zur fälligen HU mehr Termine bringt als der Newsletter an alle.

Christoph BrinkeChristoph Brinke
Geschäftsführer, Smoke and Luck
7 Minuten Lesezeit
Kfz-Werkstatt im Gegenlicht

Kurz erklärt

E-Mail-Marketing im Autohaus wirkt, wenn jede Mail einen Anlass hat, der aus dem Fahrzeug des Kunden kommt: fällige Hauptuntersuchung, Inspektion, Reifenwechsel, Garantie- oder Leasingende. Die Daten dafür liegen im Dealer-Management-System. Eine Anlass-Mail geht an wenige Empfänger, kommt von einer Person mit Namen und bietet genau einen nächsten Schritt. Werbung per Mail braucht eine Einwilligung oder die enge Ausnahme für Bestandskunden.

Die Adresse ist da, der Anlass auch. Nur die Mail fehlt

Montag, 8:05, Serviceannahme. Ein Kunde legt den Schlüssel auf den Tresen: „Mein TÜV ist seit drei Wochen abgelaufen. Ich hab’s erst bei der Kontrolle gemerkt. Hätten Sie mir nicht Bescheid geben können?“ Seine Mailadresse steht im System, seit dem Kauf vor vier Jahren. Das Datum der letzten Hauptuntersuchung auch. Geschrieben hat ihm niemand.

Keiner hat hier etwas falsch gemacht. Der Verkauf hat das Auto übergeben, der Service hat es gewartet, und der Newsletter ging im Frühjahr an alle. Er handelte von einem neuen Modell und einem Frühlingscheck. Für diesen Kunden stand nichts darin, was mit seinem Auto zu tun hatte.

Der Satz, der dahintersteht, lautet: „E-Mail liest doch keiner mehr.“ Das stimmt für Mails, die nichts mit dem Empfänger zu tun haben. Eine Mail, die sagt „Ihre HU ist im Dezember fällig, hier sind zwei freie Termine“, ist für den Kunden keine Werbung im Kopf, sondern ein Gefallen. Genau diese Mails bleiben ungeschrieben, solange niemand sie aus den Daten zieht. Wie die Kontaktpunkte nach dem Kauf insgesamt aussehen, steht im Beitrag Kundenbindung im Autohaus. Hier geht es um den Kanal E-Mail selbst.

Newsletter oder Anlass-Mail: der Unterschied

NewsletterAnlass-Mail
Wer bestimmt das Thema?Das Autohaus: Modell, Aktion, VeranstaltungDas Fahrzeug des Kunden: Termin, Frist, Vertragsende
Wer bekommt sie?Alle auf der Liste zur selben ZeitNur die Kunden, bei denen der Anlass gerade eintritt
Wann geht sie raus?Wenn jemand Zeit hat, sie zu schreibenAutomatisch, eine feste Zahl an Wochen vor dem Anlass
Was soll der Kunde tun?Lesen und sich erinnernEinen Termin buchen oder antworten
Wer steht als Absender drin?Der Name des AutohausesDer Serviceberater oder Verkäufer, den der Kunde kennt
Newsletter und Anlass-Mail im Autohaus im Vergleich

Ein Newsletter ist nicht verboten und nicht nutzlos. Er bleibt die Ausnahme für echte Neuigkeiten, etwa eine Hausmesse oder einen neuen Standort. Die tägliche Arbeit erledigen die Anlass-Mails, weil sie dann ankommen, wenn der Kunde ohnehin etwas mit seinem Auto vorhat.

Zehn Anlässe, die schon in deinem System stehen

Fast jeder Anlass steckt in einem Datenfeld, das dein Dealer-Management-System (das Programm für Verkauf, Werkstatt und Teile) ohnehin führt. Du musst nichts Neues erheben, du musst nur festlegen, welches Feld welche Mail auslöst und wer sie abschickt.

AnlassDatenfeldAbteilungZeitpunkt
Hauptuntersuchung fälligDatum der letzten HUServiceSechs Wochen vorher
Inspektion fälligServiceintervall, letzter WerkstattbesuchServiceVier Wochen vorher
ReifenwechselEingelagerte RäderServiceVor der Saison, gestaffelt nach Lagerplatz
KlimaserviceLetzter KlimaserviceServiceVor dem Sommer
Nachfrage nach der ReparaturDatum der AbholungServiceEine Woche danach
Garantie läuft ausKaufdatum, GarantielaufzeitService und VerkaufDrei Monate vorher
Leasing oder Finanzierung endetVertragsendeVerkaufSechs bis neun Monate vorher
Wunschfahrzeug war nicht daGespeicherte Suche des InteressentenVerkaufSobald ein passendes Fahrzeug reinkommt
Probefahrt ohne KaufDatum der ProbefahrtVerkaufEine Woche danach, einmal
Ein Jahr mit dem AutoÜbergabedatumVerkaufAm Jahrestag der Übergabe
Zehn Anlässe für E-Mails im Autohaus mit dem Datenfeld, das sie auslöst

Fang nicht mit allen zehn an. Drei reichen für den Anfang: HU, Reifenwechsel und Leasingende. Die ersten beiden füllen die Werkstatt, der dritte bringt den Verkauf ins Gespräch, bevor der Kunde sich woanders umsieht.

So ist eine Anlass-Mail gebaut

  1. Absender mit Namen

    Die Mail kommt von einer Person, die der Kunde kennt oder kennenlernen soll: Serviceberater, Verkäufer. Antwortet der Kunde, landet die Antwort bei genau dieser Person, nicht in einem Sammelpostfach ohne Zuständigen.

  2. Betreff mit Fahrzeug und Anlass

    Modell oder Kennzeichen und der Anlass, sonst nichts. Kein Ausrufezeichen, kein Rabatt im Betreff.

  3. Erster Satz: der Anlass

    Was fällig ist und bis wann. Keine Einleitung über das Wetter, keine Vorstellung des Hauses.

  4. Ein nächster Schritt

    Zwei Terminvorschläge, ein Link zur Terminbuchung oder die Bitte um eine kurze Antwort. Nie drei Angebote in einer Mail.

  5. Unterschrift mit Durchwahl

    Name, Abteilung, direkte Telefonnummer. Wer lieber anruft, soll nicht über die Zentrale müssen.

Muster: Mail zur fälligen Hauptuntersuchung

Betreff: Ihr Golf, HU im Dezember. Text: „Hallo Frau Weber, bei Ihrem Golf ist im Dezember die Hauptuntersuchung fällig. Wir hätten am Dienstag, 2. Dezember, um 8 Uhr oder am Donnerstag, 4. Dezember, um 14 Uhr Platz. Antworten Sie einfach mit dem Termin, der Ihnen passt, dann trage ich Sie ein. Viele Grüße, Jan Berger, Serviceannahme, Durchwahl 23.“ Darunter der Hinweis, dass Frau Weber solchen Mails jederzeit widersprechen kann, mit einem Abmeldelink. Name und Termine sind ausgedacht.

Verkauf und Service: wer schreibt wem

Im Autohaus schreiben zwei Abteilungen an dieselben Menschen. Ohne Absprache bekommt ein Kunde in einer Woche eine Inspektionsmail, eine Einladung zur Probefahrt im neuen Modell und den Newsletter. Dann landen alle drei im Papierkorb, und die Abmeldung kommt gleich mit.

  • Jeder Anlass hat genau einen Absender, festgelegt in einer Tabelle, die Verkauf und Service gemeinsam pflegen.
  • Höchstens eine Werbemail je Kunde und Woche, egal aus welcher Abteilung.
  • Wer sich abmeldet, ist für alle Abteilungen abgemeldet, nicht nur für den Newsletter.
  • Ist ein Fahrzeug gerade in der Werkstatt oder ein Kauf in Verhandlung, ruhen alle Anlass-Mails an diesen Kunden.

Das ist dieselbe Frage, die auch für Anfragen gilt: Wer ist zuständig, und wer sieht, was der andere schon getan hat? Wie ein Autohaus das grundsätzlich ordnet, beschreibt der Beitrag Vertriebsorganisation im Autohaus.

Was rechtlich gilt

Werbung per E-Mail ist in Deutschland eng geregelt. Eine reine Terminbestätigung oder Fertigmeldung ist Teil des Auftrags. Sobald eine Mail aber für weitere Leistungen wirbt, gelten die Regeln für Werbung, und das schneller, als man denkt.

ThemaWas giltQuelle
GrundregelWerbung per E-Mail ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung ist eine unzumutbare Belästigung.§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG
Ausnahme für BestandskundenOhne Einwilligung erlaubt, wenn du die Adresse beim Verkauf einer Ware oder Leistung bekommen hast, nur für eigene ähnliche Angebote wirbst, der Kunde nicht widersprochen hat und bei der Erhebung und in jeder Mail klar auf sein Widerspruchsrecht hingewiesen wird.§ 7 Abs. 3 UWG
ZufriedenheitsfrageAuch eine Bitte um Bewertung in der Mail mit der Rechnung hat der Bundesgerichtshof als Werbung eingeordnet.BGH, Urteil vom 10.07.2018, VI ZR 225/17
AbmeldungJede Werbemail braucht eine gültige Adresse, an die der Empfänger seinen Widerspruch schicken kann.§ 7 Abs. 2 Nr. 3 c UWG
Rechtliche Leitplanken für E-Mails im Autohaus, Stand November 2026

Keine Rechtsberatung

Diese Übersicht ist eine allgemeine Orientierung. Ob deine Mails im Einzelfall zulässig sind, klärt dein Verband oder ein Anwalt. Praktisch hilft ein Kästchen auf dem Kaufvertrag und auf dem Werkstattauftrag, mit dem der Kunde zustimmt, dass du ihn zu Terminen und Angeboten per Mail ansprichst. Die Zustimmung gehört mit Datum in den Kundendatensatz.

Messen: drei Zahlen je Anlass

Öffnungen und Klicks sehen in jedem Mailprogramm gut aus und sagen wenig darüber, ob die Werkstatt voller wird. Für das Autohaus zählen drei Zahlen, und zwar getrennt nach Anlass.

ZahlWoher sie kommtWas sie zeigt
Verschickte Mails je AnlassMailprogramm oder DMSOb die Daten stimmen und die Regel greift
Gebuchte Termine oder AntwortenWerkstattplaner, Postfach des AbsendersOb Anlass, Zeitpunkt und Text passen
AbmeldungenMailprogrammOb du zu oft oder ohne echten Anlass schreibst
Kennzahlen für Anlass-Mails im Autohaus

Steigen die Abmeldungen, ist das ein Zeichen, kein Unglück. Dann ist ein Anlass zu weit gefasst, oder zwei Abteilungen schreiben gleichzeitig. Wie E-Mail mit Website, Google und Anzeigen zusammenspielt, zeigt die Seite Online-Marketing für Autohäuser. Den Blick aus Sicht eines Karosseriebetriebs liefert der Beitrag E-Mail-Marketing für Karosserie- und Lackierfachbetriebe.

Welche drei Anlässe passen zu deinem Autohaus?

Wir schauen mit dir auf deine Daten und sagen dir, welche Mails du zuerst aufsetzt.

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Christoph Brinke, Geschäftsführer der Smoke and Luck GmbH

Über den Autor

Christoph Brinke

Gelernter Lackierer, Kfz-Sachverständiger, heute Geschäftsführer der Smoke and Luck GmbH in Elchingen bei Ulm. Er baut für Kfz-Betriebe Marketing, regionalen Vertrieb und Recruiting auf.

Antworten

Häufige Fragen zu Marketing

Lohnt sich E-Mail-Marketing für ein Autohaus?

Ja, wenn die Mails einen Anlass aus dem Fahrzeug des Kunden haben: Hauptuntersuchung, Inspektion, Reifen, Garantie- oder Leasingende. Die Daten liegen im System, die Adressen auch. Ein Newsletter an alle passt dagegen nur zufällig zum Moment des Kunden.

Darf ein Autohaus Kunden ohne Einwilligung per E-Mail anschreiben?

Nur in engen Grenzen. Nach § 7 Abs. 3 UWG ist Werbung für eigene ähnliche Leistungen an Bestandskunden erlaubt, wenn die Adresse aus einem Kauf stammt, der Kunde nicht widersprochen hat und in jeder Mail auf das Widerspruchsrecht hingewiesen wird. Sicherer ist eine Einwilligung auf Kaufvertrag und Werkstattauftrag. Das ist keine Rechtsberatung.

Wie oft sollte ein Autohaus Mails verschicken?

So oft, wie beim Kunden ein Anlass eintritt, und höchstens eine Werbemail je Woche, egal aus welcher Abteilung. Wer nach Anlässen schreibt, hat keinen festen Takt, sondern einen Kalender je Fahrzeug.

Brauche ich dann noch einen Newsletter?

Für echte Neuigkeiten wie eine Hausmesse, einen neuen Standort oder geänderte Öffnungszeiten ja. Für die tägliche Arbeit in Service und Verkauf tragen die Anlass-Mails. Ein Newsletter ohne Neuigkeit kostet eher Abmeldungen als Termine.

Welche Software brauche ich für Anlass-Mails?

Für den Anfang reicht, was da ist: das Dealer-Management-System mit seinen Datenfeldern und ein Mailprogramm, das Listen nach Datum filtern kann. Wichtiger als das Werkzeug ist die Tabelle, welcher Anlass welche Mail auslöst und wer sie abschickt.

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